Dienstag, 21. Oktober 2008

Alle Jahre wieder

Bildquelle Pixelio: (c) Gerd Altmann
das große Grausen und jedes Mal ein bißchen mehr überfordert...... Ich komme mit der Steuererklärung immer mehr an die Grenzen meiner geistigen Fähigkeiten. Kann man eine Steuererklärung fertig stellen, ohne selbst wenigstens ein halbes Jahr lang, jedes Jahr aufs Neue die zwischenzeitlich in die Formulare "eingebauten" Steuerneuregelungen vorher eingehend studieret zu haben? Wobei ich mich frage ob das "Studieren" der Steuergesetze überhaupt noch ausreicht, um die zunehmend komplizierter gewordenen Formulare verstehen und ausfüllen zu können.

Vor 10 Jahren schon hieß es, die Steuergesetze und Steuererklärungen seien viel zu kompliziert. Damals habe ich mich - auch im Rahmen meines BWL-Grundstudiums - intensiv in das Steuerrecht, Buchhaltung etc. eingearbeitet.
Seither ist viel passiert. Insbesondere gibt es immer mehr Neuregelungen, jedes Jahr wieder Änderungen, neue Formulare etc. Auch die Formulare sind zwischenzeitlich immer komplizierter und unübersichtlicher.

Ich stosse, angesichts der zunehmenden höheren Ansprüche an unsere Steuererklärung an die Grenzen meiner "kognitiven" Fähigkeiten. Aus einer kleinen "psychotherapeutischen Praxis" wird - betrachtet man die aktuellen Formulare - plötzlich ein großer Betrieb. Wohin "passen" denn nun die spezifischen Ausgaben eines Ein-Mann-Betriebes mit psychologisch technischer Assistentin? Es bleiben viele Felder frei und ein ungutes Gefühl bleibt zurück......

Welcher Trost wenn ich dann hier lese, dass auch ausgebildete Fachleute, angesichts der geistigen, kognitiven und intellektuellen Anforderungen an die Erstellung einer Steuererklärung die Flügel streichen:

Eine Finanzbeamtin aus Niedersachsen zeigte sich überfordert, die EÜR für den freischaffenden Gatten auszufüllen. "Zuerst vergaß ich, den Vordruck einzureichen, und fügte die übliche Gewinnberechnung bei", erzählt sie. Das Finanzamt habe den Gewinn dann abgeändert und sie gebeten, das EÜR-Formular nachzureichen. (Quelle: Per Internet zum Fiskus?)
Jetzt wird mir auch klar, warum das Finanzamt bereits seit einem Jahr an unseren Widersprüchen arbeitet. Obwohl diese Leute die Materie ja von der Pike auf studiert und kennen gelernt haben, stossen auch sie an ihre Grenzen. Welcher "Steuerbürger" blickt hier überhaupt noch durch, wenn sogar ein Jurist und Pressesprecher des Bundesrechnungshofes freimütig einräumt:
Fast jeder Berufstätige in Deutschland ist mittlerweile mit dem bürokratischen Irrsinn überfordert. Schließlich sind allein schon die Begriffe auf den Formularen für Unkundige völlig unverständlich: "Pauschbeträge", "Feststellungsbeteiligung", "Vorsorgepauschale" – die ganze Terminologie sorgt für Verschleierung statt für Aufklärung. Deshalb blicken sogar Fachleute mittlerweile nicht mehr komplett durch. Andreas Krull, Jurist und Pressesprecher des Bundesrechnungshofs, gibt unumwunden zu, dass er einen "ziemlichen Horror" vor der eigenen Steuererklärung hat, "weil ich selbst nicht so genau weiß, was ich da eigentlich treibe".Quelle: Archiv: Irrsinn Steuererklärung Wie jedes Jahr Milliarden Euro verschenkt werden

Ich fange an (man möge es mir verzeihen) zu beten: "Herr, lass Hirn regnen". Wirre Gedanken zirkulieren in meinem für diese Zwecke unzureichend ausgestatteten Großhirn:

Steuer wozu?, Steuererklärung warum?, Bankenkrise, Liechtenstein, Einkommensmillionäre,Preissteigerungen, Konsumrückgang, Wirtschaftsflaute, Steuerverschwendung, Bürokratie, Behördenüberlastung, Finanzgerichte, Steuergerechtigkeit, Verspätungszuschlag, Steuerfahndung, Steuerstrafverfahren, Steuerbetrüger, Schwarzarbeit, heimliche Besteuerung, Doppelbesteuerung, indirekte und direkte Steuern, Freibetrag für Abgeordnete, Rentenbezüge Abgeordnete.......

Ich bekomme diese wirren Neuronenfeuer nicht in den Griff, es fehlen logische Verbindungen, gefangen in diesem Irrsinn, gebe ich die Gedanken auf.....


Das ist wohl auch der Grund, warum viele Bürger auf eine Steuererklärung verzichten (sofern sie das dürfen) und die Steuerberaterbranche floriert......sage ich im Selbstgespräch zu mir und habe dabei vermutlich den ersten klaren Gedanken zu dieser ganzen Sache....

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt........

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Von der Gleichheit und Ungleichheit

Bildquelle: Pixelio (c) Gerd Altmann
"Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich"

So lautet der Artikel 3, Satz 1 unseres Grundgesetzes.
Und wie es nun so ist, gibt es Menschen, welche trotzdem nicht gleich sind. Abgeordnete zum Beispiel. Sie haben einen besonderen Status, wie heute der Bundesfinanzhof bestätigt hat und darum brauchen Sie nicht, wie der Rest der Bevölkerung jeden einzelnen Euro versteuern. Denn Sie bekommen eine Pauschale. Jeden Monat über 3.000 Euro, das ist doch prima.

Abgeordnete haben - im Gegensatz zu Selbständigen und angestellten Arbeitnehmern keine Zeit und können sich den Aufwand, jeden einzelnen beruflich ausgegebenen Euro dem Finanzamt zu erklären, sparen.(Siehe: Mangels Entscheidungserheblichkeit keine Übertragung der steuerfreien Abgeordnetenpauschale auf andere Personen (BFH vom 02.10.2008 AZ. VI R 63/04 VI R 81/04 VI R 13/06 )

So werden heute viele Abgeordnete sich freuen, dass die Judikative doch einhellig neben der Exekutive und Legislative steht und sich dieses nach dem 2. Weltkrieg geschaffene Dreiergespann nicht von querulanten Steuerzahlern stören lässt......

Noch Fragen? Sie wollen den Unterschied zwischen der "Gleichheit" von Abgeordneten und Nicht-Abgeordneten wissen?

Oh nein, das kann ich Ihnen nicht beantworten.

Als staatstreue Deutsche muss ich feststellen: Abgeordnete sind vor dem Gesetz gleich, der BFH hat das gesagt, dann muss es auch so sein. Darüber sollte man einfach nicht nachdenken.......Ob wohl Herr Wolf Singer Recht hat?

Zwischenzeitlich denke ich auch, dass wir keinen freien Willen haben und manche die glauben einen zu haben, die behaupten noch ganz frech, dass sie keinen freien Willen haben dürfen........So was.......

Samstag, 9. August 2008

Die Beliebigkeit von Daten am Beispiel des Lärmschutzes.....

ein Zeitungsbericht zu "seltsamen" Lärmkarten der Städte Bielefeld und Steinhagen veranlasste mich zu meinem aktuellen Blogbeitrag im AHMAZ-Blog:
"Lärm um Nichts?" Oder Zwei-Klassen-Lärmschutz?

"Es geht in meinem heutigen Beitrag darum, dass die Umsetzung der EU-Umgebungs­lärmrichtlinie in NRW auf der Basis der NRW-Lärmkarten offenbar enorme Ungereimtheiten enthält....Denn, das NRW-Umweltministerium legt einen Lärmplan vor, welcher unserem logischem Verstand nicht so richtig ..weiter hier: "Lärm um Nichts?" Oder Zwei-Klassen-Lärmschutz?.

Donnerstag, 26. Juni 2008

So werden umweltbewusste Bürger hinters Licht geführt.....

Zunächst fing alles ganz harmlos an. Vergangenes Jahr veränderte unser Energieversorger seine Tarifstruktur. Insgesamt wurden die Tarife für Kleinverbraucher teurer und für Großverbraucher günstiger. Wer sich auf sparsamen Energieverbrauch konzentrierte wurde bestraft ! Das ist paradox. Natürlich verdient ein Energieunternehmen an der Menge der verkauften Energie. Da sind Kleinverbraucher und sparsame Bürger nicht willkommen. Nachdem über Jahrzehnte die Bundesbürger zum Energiesparen angehalten wurden, bereits in den Schulen Mülltrennung eingeübt wurde und zwischenzeitlich bei vielen Bundesbürgern die Mülltrennung bereits automatisiert abläuft, gelten neue - weniger energiesparorientierte und umweltbezogene Kriterien. Bildquelle Pixelio: (c) KlickerStadt- und landeseigene Energieunternehmen waren privatisiert worden. Früher wurde Energie nicht besteuert, heute werden 19 % Mehrwertsteuer fällig.

Und noch etwas hat sich geändert: jetzt geht es darum, mit "Energie" Geld zu verdienen und nicht mehr nur darum, dem Bürger Energie kostengünstig zur Verfügung zu stellen.

Allerdings: Das dem Volke gut anerzogene Umweltbewusstsein trägt seine Früchte und so ist die Nachfrage nach Öko- und Bio....gross. Das hat auch das Energieunternehmen T.W.O der Stadt Halle (Westf.) festgestellt und in einem Schildbürgerstreich aus dem seit Jahren bezogenen Strom, welcher ja aus gemischen Quellen stammt (wie bei allen Stromanbietern) den ökologisch gewonnenen Stromanteil herausgerechnet.

Holla und was hat die TWO Halle dann? Richtig: Echten Ökostrom!!
Also Preis rauf, Angebot rein: jetzt wird Ökostrom verkauft! Und was bekommt der Öko-Stromkunde aus seiner Steckdose? Richtig: den gleichen Strom, wie Normalstrombezieher Müller, Schulze, Schmidt und Meier auch, nämlich den gemischten Strom mit dem Stromanteil des Wasserkraftwerkes an der Mosel.


Den Kunden Frank Winter aus Halle hat dies sehr geärgert und so klärt er am 11.Juni2008 die Haller Bürger in seinem Leserbrief im Haller Kreisblatt darüber auf, dass er Ökostrom preiswerter als den Pseudo-Ökostrom der TWO bekommt. Davon fliessen noch ein Cent pro Kilowatt in den Bau von neuen, CO2-neutralen Kraftwerken. Da lohnt es sich der TWO adieu zu sagen und von dem Pseudo-Ökostrom zu einem echten Ökostromanbieter zu wechseln...... Bildquelle Pixelio: (c) Gabi Schoenemann

Sonntag, 11. Mai 2008

Wikipedia Enzyklopädie - Herabsetzungen, Verleumdungen...Seriosität??

Bildquelle Pixelio (c) S. Hofschlaeger
wie viele "Wikipedia-Opfer" gibt es wohl? Ist Wikipedia eine seriöse Enzyklopädie oder eine Spielwiese um Vorherrschaften und Macht "anonymer" User und Administratoren, welche sich schlicht durchsetzen wollen?

Auch ich war - ohne, dass ich mich auf dieser unübersichtlichen Spielwiese tummle - bereits schon Gegenstand eines Edit-Wars. Es ging um den Eintrag einer meiner Webseiten, welcher jemand meinte in einer Linkliste unterbringen zu müssen. Aufmerksam wurde ich darauf, als dieser Edit-War plötzlich in der google-Suche auftauchte. Ich war erstaunt, wie schnell man im Gemenge einer anonymen Enzyklopädie um seinen Ruf bangen kann, ohne, dass - wie so oft behauptet - einige "Machtinhaber" , darunter sicher auch seriöse Administratoren, eingreifen....

Auffällig: in diesem Fall, wie auch im Fall unten, gab es besonders "mächtige" Autoren, welche die weniger "mächtigen" zu beherrschen versuchten.......

Ich werde mich - seit diesen Erfahrungen - auch hüten, den glücklicherweise noch bei Wikipedia "unbesetzen" Begriff einer meiner Webseiten, dort selbst eintragen zu wollen.....

Nun gibt es durchaus auch sehr gute Beiträge und Autoren auf der "Wikipedia-Spielwiese" - allerdings aber auch das Gegenteil: Polemik, Hass und Verleumdungen, welchen sich dann seriöse Unbeteiligte und/oder Autoren plötzlich ausgesetzt fühlen müssen.... Unglaublich....

Ein hässliches Beispiel, auf welches ich bei meiner letzten Recherche zufällig gestossen bin:

Bereits auf der Startseite seiner Homepage, sieht sich der Autor gezwungen, in einer gewissen "Ohnmacht" (welche Wikipedia-Opfer dank der Wikipedia- Anonymität irgendwie auch haben) zur Wehr setzen zu müssen: Rhetorikakademie Berlin

Die Diskussion, welche ja bei Wikipedia nachgelesen werden kann, offenbart die ganze schmutzige Wäsche und den Ärger, welcher eine Realperson durch einen "Anonymus" durchleben muss: Schäbige Verleumdungskampagne

Mir fällt dazu gar nichts mehr ein und ich denke nur, hoffentlich werde ich niemals mehr mit Wikipedia in Kontakt kommen.

Meine Konsequenzen: Ich versuche meinen Lesern bei weiterführenden Links nach Möglichkeit keine Wikipedia-Quelle zu nennen und "Wikipedia" ganz herauszunehmen. Viel lieber verweise ich auf Literaturquellen und Schriften von Universitätsangehörigen.

Meine Verwunderung: Dass Wikipedia als gedruckte "Wikipedia-Enzyklopädie" erscheinen soll?..... nun, wenn man Wissenschaft so populär machen möchte, dann erheben sich in mir doch etliche kritische Stimmen......

Nachtrag (18.04.2008): Wikimedia haftet nicht für die Inhalte auf Wikipedia
Die Einträge im "juristischen" Niemandsland????.....
Gericht: Wikimedia Deutschland haftet nicht für Wikipedia

Sonntag, 13. April 2008

Hinweis: Sehr guter Artikel zur Frage "Computerspiele und Gewalt"

Heute habe ich einen guten Beitrag zu unserem "Computerspiele und Gewalt" - Thema gefunden. Das www birgt doch manche Schätze, welche man entdecken kann, wenn wir immer wieder einmal eine "virtuelle Reise" antreten ;-) Das Feed im Feedreader wächst und hoffentlich die Erkenntnis damit auch.....

Sie erinnern sich noch?
Anlass, dieses Thema aufzugreifen, war das spannende und lesenswerte Buch von Thomas Hartmann. Ich hatte in meinem Beitrag:
Müssen Kinder ballern und sich prügeln? Ja, sagt Thomas Hartmann

ausführlich darüber berichtet.

Für Interessenten und Freunde dieses Themas verweise ich heute auf den Beitrag von Roland Kobald "Gewalt vs Games" in der Rubrik : Virtual Reality & Games - Zitat:
Gewalt und Spiele werden nach wie vor als Henne-Ei-Problem betrachtet. Sowohl von Experten als auch von „Laien“. Das Spiel schafft Freiräume für Handlungen nach selbst gewählten Regeln und genau das ist ein Element, welches unsere Sehnsucht nach innerer Freiheit bedient. Und es hilft Kindern ganz eindeutig in Fantasiewelten einzutauchen und ein bestimmtes Aggressionspotential abzureagieren. Die Dosis und der Erziehungsstil machts, nicht die Henne-Ei-Frage, die ist schlechterdings akademisch! ................

weiter hier:
http://www.mbrpoints.com/blog/2008/03/26/gewalt-vs-games-by-roland-kobald - Gewalt vs Games (by Roland Kobald) von admin1 in Virtual Reality
(Anm.: das war leider einmal, der Blog scheint offenbar nicht mehr zu existieren - 05.10.2008 )


Samstag, 12. April 2008

Bezieher von Höchstrenten entscheiden über "normale" Rentner? Wie demokratisch sind Politiker?

Irgendwie scheint das alles eine Farce zu sein. Seit Jahrzehnten gehen Bundestagsabgeordnete mit gutem Beispiel voran und kassieren Renten, welche ein Normalbürger in seinem Leben nie erarbeiten kann, auch nicht durch freiwillige Zusatzbeiträge in diverse Rentenversicherungen.

Dennoch sind es jene, welche sich erst vor kurzem die eigenen Rentenbezüge "festgezimmert" haben und danach groß verkünden was angeblich den "Generationenvertrag" scheitern lässt....
Und wo bleibt die Selbstreflexion jener Vertreter, welche behaupten dabei die Interessen der nachwachsenden Generation zu vertreten? Hat Jens Spahn (27 Jahre - CDU-Abgeordneter) nicht auch für die immer noch sehr hohen Pensionsbezüge von Abgeordneten gestimmt? Wenn ja, wird er seine großzügigen Pensionsbezüge alsdann großmütig der Gerechtigkeit wegen an bedürftige Rentner verteilen?

Ja und Roman Herzog, welcher neben seiner stattlichen Pension als ehemaliger Richter auch noch Bundespensionen in nicht unerheblicher Menge kassiert. Ist er nicht gebettet in einem mit Geld gefüllten Federkissen des Wohlstandes ? Genau diese Leute, welche im Alterswohlstand leben, sind es, die hier Bescheidenheit anmahnen und vergessen, dass auch derzeit viele Renter unter dem Existenzminimum leben, oder sofern die Rente reicht, sich stark einschränken müssen.

Nun, wir kennen diese Spielchen eigentlich schon lange. Wenn große Arbeitgeber, Arbeitgeberpräsidenten mit einem enormen Jahresgehalt darüber lamentieren, dass ein Mindestlohn nicht zu finanzieren sei, dann klingt das für mich ketzerisch.

Eine Debatte - wie ungleich Wirtschaftsgüter verteilt sind - geführt von den Reichsten unserer Gesellschaft?

Lieber Herr Herzog, wie wäre es, wenn Sie Ihre Pensionsbezüge auf das reduzieren, was ein normaler Rentner in Ihren Augen zum Leben braucht und den Rest an jene spenden, welche bereits jetzt schon so wenig haben, dass sie nicht das Leben eines "normalen" Rentners führen können? So etwas würde doch Ihren verkündeten Vorstellungen entsprechen, nur warum tun sie es nicht, sondern reden nur darüber?

Lieber Herr Spahn, wie wäre es, wenn Sie mit gutem Beispiel vorangehen und Ihre Pensionsansprüche, welche Sie derzeit erwerben, dann auf das begrenzen, was Ihrer Ansicht nach in Zukunft für einen fairen, an die nachfolgende Generation denkenden, Bürger gelten soll ?

Denn bislang kann man hier nur sagen: "Wer im Glashaus sitzt....."

Montag, 7. April 2008

Die Doppelmoral der Kirche: selbst abkassieren und mit dem Finger auf andere zeigen

Bildquelle Pixelio: (c) Stefan Zoller
Da beklagt sich Alfred Buß, der Präses der Evangelischen Kirche in Nordrhein-Westfalen,in einer Predigt, dass die Jagd nach Renditen "menschenverachtend" sei.

Zitat aus der Predigt von Präses Buß in der Neuen Westfälischen vom 08.04.2008 - Rubrik "Wirtschaft":
"Zu viele "Hirten" in leitenden Positionen seien damit beschäftigt, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen, kritisierte er. Lebewesen würden als Kostenfaktor und als Objekte zum Wegrationalisieren betrachtet."

So werden zum Beispiel gering verdienende evangelische Ehefrauen in NRW oft mit einem "Monatsgehalt" von der Kirche zur Kasse gebeten. Nein, nicht die Kirchensteuer ist das, sondern das verlangte "Kirchgeld". Begründet wird dies damit, dass der Ehemann ja eine Unterhaltspflicht gegenüber der Ehefrau habe und daher sein Einkommen in der Berechnung des Kirchgeldes mit herangezogen wird.

Allerdings:
Diese Unterhaltspflicht übersteigt oft die laut Bürgerlichem Gesetzbuch geltende Unterhaltspflicht. Anders als die gesetzliche Unterhaltspflicht wird nämlich nicht vom sogenannten bereinigten Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen ausgegangen, sondern vom zu versteuernden Einkommen des Unterhaltspflichtigen.

So sahen sich - laut meiner Auskunft der Kirchenaustrittsstelle - viele gläubige Christinnen genötigt, aus der Kirche auszutreten, einschließlich meiner Wenigkeit.

Lieber Herr Präses Buß, vielleicht denken Sie bei Ihrer nächsten Predigt einmal an jene Frauen, welche die Kirche "unter dem Deckmantel" christlicher Nächstenliebe aus ihren eigenen Reihen "wegrationalisiert".

Da fehlen einem die Worte, wenn mit soviel Doppelmoral gepredigt wird. Wieviele "echte" Christen gibt es tatsächlich in der Landeskirche? So geschröpfte Ehefrauen, chronisch Kranke und behinderte Kirchenmitglieder fragen sich das immer wieder ......

Handelt es sich um eine Glaubensgemeinschaft oder vielleicht eher um ein "indirektes" Wirtschaftsimperium mit einer automatischen "Gelddruckmaschine"?

Wie die Kirchen in Deutschland kräftig und zusätzlich zur Kirchensteuer alle Steuerzahler abkassieren, können Sie im Panorama- Beitrag bei Youtube verfolgen:

Kirchen - Vom Staat subventioniert (ARD-NDR, Panorama) Teil2

Sonntag, 6. April 2008

Hinweis auf interessanten Stresstest und Infos zum Thema Stress

Wer hat nicht schon unter "Stress" gelitten ? Ob Ihre Stressbelastung noch normal ist oder die Grenze der Normalität überschreitet, können Sie nun selbst testen:

Stresstest im Psychologieblog von Werner Stangl
Zur Feststellung des Ausmaßes der individuellen Stressbelastung ist jetzt ein kleiner Stress-Test online. Durch Beantwortung von 40 Fragen erhält man einen Testwert, der das Ausmaß der Belastung darstellt. Je nach Ergebnis werden unterschiedliche Maßnahmen vorgeschlagen.
Und für diejenigen, welche die berühmten "Werner Stangl's Arbeitsblätter" noch nicht kennen gibt es auch gleich Hilfen zur Stresbewältigung:

Ausführliche Informationen: Theorien, wissenschaftliche Hintergründe und Tipps zur Stressbewältigung in den Arbeitsblättern von Werner Stangl:
Stress verursacht Kopfschmerzen, Angst lässt das Herz schneller schlagen, Ärger drückt auf den Magen. Gefühle haben Einfluss auf unseren Körper und die körperliche Verfassung zieht ihrerseits das seelische Befinden in Mitleidenschaft. Der Schmerz im Kopf kann schlagartig verschwinden, wenn sich der Betroffene seiner aggressiven Spannung bewusst wird und sie emotional auszudrücken vermag.

Donnerstag, 3. April 2008

Ein Lob an den deutschen Rechtsstaat....

....ja, es gibt viel zu kritiseren, Verschwendung von Steuergeldern, überhöhte Abgeordnetenrenten, etc. etc. etc.
doch, wenn wir hören wie in China Bürger "abgestraft" werden, sofern sie es wagen ein wenig offenherzig ihre Meinung zu äußern .....

Kontakt zu ausländischen Medien - fünf regierungskritische Blogeinträge....das bedeutet für einen 34-jährigen Chinesen 3 1/2 Jahre Gefängnis! Und die Ehefrau leidet unter Repressalien der Behörden...

Ausführlich hier:
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/9/0,3672,7186697,00.html

Es lebe die deutsche Meinungsfreiheit - auf dass es so bleiben möge ;-)

Sonntag, 30. März 2008

"Prügelvideos" zweier ungleicher Brüder

Ich hatte Ihnen bereits Sean (glattes Fell) und Rheto (unsern "Teddyhund") im Beitrag: "Müssen Kinder ballern und sich prügeln", vorgestellt. Dies war Anlaß, noch ein paar kurze "Videostudien" durchzuführen, welche ich an dieser Stelle nun vorstellen möchte:

Sie erinnern sich: Ich hatte erwähnt, dass die beiden kleine Kämpfe durchführen und sie immer darauf achten, dem anderen nicht wirklich weh zu tun. Beide hier gezeigten Kämpfe enden ziemlich abrupt. Wir kennen dies nicht anders. So verlieren sie einfach die Lust und gehen auseinander oder wie im ersten Video sorgt eine besondere "Duftnote" im Gras für derartig viel Ablenkung, dass dies dann wichtiger wird und der Kampf endet.....

Hundespiel 45 sec - abruptes Ende aufgrund eines neuen Reizes:


Hundespiel 1.45 min



Für mich gehören diese kleinen Kämpfe zum Alltag und ich frage mich, warum Eltern, Erzieher und Lehrer dies nicht auch für völlig normal und alltäglich bei ihren Menschenkindern halten.

Der natürliche Bewegungsdrang, die Freude am Kräftemessen und balgen - es scheint ein Teil der tierischen, aber meines Erachtens auch der menschlichen Natur zu sein. Leider ist verbale "Gewalt" weit mehr toleriert, als körperliche, nicht verletzende Kämpfe......

Was halten Sie davon?

Sonntag, 16. März 2008

Müssen Kinder ballern und sich prügeln? Ja, sagt Thomas Hartmann

Meine "Hilfmittel" zur Klärung dieser Frage sind:
  • 1. Das Buch von Thomas Hartmann: "Schluss mit dem Gewalt-Tabu!
  • 2. Das Buch von Petermann, Döpfner und M.H. Schmidt: "Aggressiv-dissoziale Störungen"
  • 3. "Coolnesstrainings" Ein Angebot für aggressive, gewaltbereite Jugendliche - Impulskontrolle, Erhöhung der Frustrationstoleranz und Aggressionsbewältigung
  • 4. Unsere "Schmusehunde" Sean und Rheto
  • 5. Gewalt fängt im Kleinen an – Zur Stabilität von Mobbing an Grund- und weiterführender Schule
Müssen Kinder ballern und sich prügeln?


1. Thomas Hartmann, Vater von vier Kindern und Pfarrer. Ein sympathischer Christ, erfahren im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, Kenner und Tester von Computerspielen und ebenso Kenner und teilnehmender Beobachter der aktuellen Jugendszene.

Als Computerspieletester und Vater von heranwachsenden Jugendlichen ist er der Frage nach der vielfach behaupteten "Gewaltwirkung von Computerspielen auf Kinder und Jugendliche" auf den Grund gegangen.

Das Buch - ein unterhaltsam geschriebenes Fachbuch für Medienpädagogik:
Sein Buch könnte genauso unter dem Label eines "Fachbuches für Medienpädagogik" firmieren, mit der einzigen Einschränkung, dass der Buchtitel anders gelautet hätte.

Die Inhalte:

Jugendszene - Gewalt und Menschsein - Friedenspädagogik - Computerspiele
So b
etrachtet er dort die aktuelle und vergangene Jugendszene, fragt nach dem Verhältnis der Bibel zur Gewalt/Aggression und zum Menschsein. Er beleuchtet die Frage, ob Aggression und Gewalt Teil des Menschseins seien. Besonders interessant sind seine Betrachtungen zur "Friedensbewegung bzw. Friedenspädagogik" und ihre unerwünschten Auswirkungen, ein Perspektivenwechsel, welcher sehr nachdenklich stimmt. Im fünten Kapitel fragt er, ob Computerspiele und Gewaltvideos nun der Aggressionsabfuhr dienen oder aber zur "Killerschmiede" werden.

Thomas Hartmann greift die vielfältigen, von Fachleuten und Medien geäußerten Meinungen und Ansichten, auf. Diese diskutiert er anhand dazu vorliegender wissenschaftlicher Studien. Damit werden die im Buch geäußerten Empfehlungen und Schlussfolgerungen auf eine solide Basis gestellt.

Tipps zum Umgang mit Spielen und Gewalt - Entscheidungshilfen für Eltern
Am
Ende seines Buches entlässt er Eltern, ErzieherInnen und Lehrkräfte nicht ohne genauere Hinweise, wie weit der Umgang mit gewaltbetonten Computerspielen gehen darf und wie mit spielerischer Gewalt Gewaltprävention betrieben werden kann.

Thomas Hartmann
Sch
luss mit dem Gewalt-Tabu!
Warum Kinder ballern und sich prügeln müssen
272 Seiten - ISBN 3821856637
Preis € 17,95 , Eichborn Verlag
FAZIT:
Eine spannende, unterhaltsame und lehrreiche Lektüre zum Thema Aggression, Gewalt, Computerspiele und Umgang mit denselben.



2..

Prof.Dr. Petermann, Prof. Dr. M. Döpfner und Prof. Dr. M.H. Schmidt, betreiben einerseits Forschung in der klinischen Kinder- und Jugendpsychotherapie und sind andererseits auch erfahrene Praktiker in der Behandlung. Die Autoren haben die Ursachen von aggressivem, gewaltbereiten Verhalten untersucht und ein erfolgreiches Behandlungsprogramm für entsprechende "Krankheitsbilder" bei Kinder und Jugendlichen entworfen.
Prof.Dr.F.Petermann / Prof.Dr.M. Döpfner/
BILD: RÖMER-WESTARP

In Ihrem Buch "Aggressiv-dissoziale Störungen" stellen Sie Ihre erprobten Konzepte vor:
Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie - Erläuterung des Buchaufbaues dieser Buchreihe
Band 3 / 2., korrigierte Aufl. 2007, VIII/ 174 S.
(Im Reihenabonnement € 17,95 / sFr. 28,80)
22,95 Euro, Hogrefe Verlag
ISBN: 978-3-8017-2054-4

In diesem Zusammenhang ist die Frage von besonderem Interesse, wie aus Sicht der Psychologie resp. klinischen Psychologie die Enstehung von Aggression und Gewaltneigung bei Kindern und Jugendlichen erklärt wird:

Altersabhänige Fomen "aggressiven" Verhaltens (Loeber& Hay 1997)

Bereits im "medienfernen" Säuglingsalter werden bestimmte Formen des Ärgerausdrucks bis hin zu aggressiven Wutäußerungen registriert. Offenbar gelingt Mädchen die Emotionsregulation bereits in diesem Alter besser.
Anmerkung: Studien belegen, dass Mütter ihren männlichen Säuglingen im Durchschnitt weniger Zuwendung (Zärtlichkeiten) geben. Ob dies eine Reaktion auf den stärkeren Ärgerausdruck ist, oder ob die geringere Zuwendungsrate dafür verantwortlich ist, ist schwer zu klären.
Im sog. Trotzalter (ca. 2. bis 3. Lebensjahr ) äußert das Kleinkind Wut und Aggression gegenüber Gleichaltrigen und Erwachsenen.

Im Vorschul- und Grundschulalter kommt es dann zu körperlichen Aggressionen, wobei Mädchen zu eher "nicht-körperlichen", d.h. indirekten Aggressionsformen neigen.

Im Jugend- und frühen Erwachsenenalter wird durch die wachsende Körperkraft das aggressive Verhalten massiver.
Anmerkung:
Wie man sieht, sind Aggressionen ein natürlicher Bestandteil der menschlichen Spezies.
Betrachtet man die Voraussetzungen pathologischer Aggressionsentwicklungen gem. Petermann et. al. dann ergeben sich folgende Konstellationen:

Komorbide Störungen
(Zitat S.12 ohne ICD-Werte):
"Aggressives Verhalten geht oftmals mit einer Reihe weiterer pschischer Störungen einher, wie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Störungn durch Substanzkonsum, Störungen der Impulskontrolle, aber auch epressivem Verhalten. Liegt eine psychische Mehrfachbelastung vor, so sind schwerwiegendere und weitreichendere psychosoziale Belastungen (z.B. Ablehnung durch Gleichaltrige, Defizite in der Impulskontrolle oder sozial-kognitive Defizite) festzustellen."
Die Risikofaktoren, welche zur Entstehung von aggressiv-dissozialen Störungen beitragen, gliedern sich in drei Bereiche:
  1. Biologische Einflüsse (Erbanlagen, männlich, neuropsychol. Funktionsstörungen, erhöhter Cortisolgehalt im Speichel, rauchende Mutter, pränatale Alkoholeinwirkung, reduzierte Serotoninaktivität)
  2. Psychische Einflüsse ( schwieriges Temperament, Reiz- und Irritierbarkeit, sensationssuchendes Verhalten, männlich und niedrige Intelligenz, unzureichende Impulskontrolle, überzogene Selbsteinschätzung, verzerrte sozial-kognitive Informationsverarbeitung, unzureichendes Einfühlsvermögen)
  3. Soziale Einflüsse (unsichere und/oder erpresserisch-eskalierende Bindung, mangelnde Elternaufsicht, unzureichende Erziehungskompetenz der Eltern, unzureichene emotionale Unterstützung und Akzeptanz gegenüber dem Kind, negative Erziehhungspraktiken, Familienstress, Ehescheidung, körperliche Misshandlung, Zurückweisung durch Gleichaltrige, Substanzmissbrauch )
Hier wird deutlich, dass die Entstehung von Gewalttätigkeit, Amoklauf und andere aggressiv-dissoziale Störungen durch das Zusammenwirken verschiedener Einflussfaktoren zustande kommt. Eine lineare Schlussfolgerung, dass das Spielen von sog. PC-Killergames alleine zur Entstehung von Aggressionen beitrage, ist demnach so nicht zulässig.

Vielmehr lässt sich hieraus eine Wenn-Dann-Beziehung legitimieren, im Sinne von:
Wenn einige Risikofaktoren für aggressives, dissoziales Verhalten zutreffen, ist eine weitere negative Wirkung "aggressiver" Vorbilder in Filmen und Games nicht auszuschließen.

Allerdings ist auch eine aggressionsabführende Wirkung nicht auszuschließen, denn die Spiele erlauben - ohne Gesetzesnormen zu übertreten - eine "legale" Aggressionsabfuhr.

Betrachtet man die hohe Emotionalisierung und Affektgeladenheit während der Pubertät, sind insbesondere Eltern gefragt, ihre Kinder und die vorhandenen Aggressionen zu beobachten.

Petermann und Koll.:
"Besonders stabil ist aggressiv-dissoziales Verhalten im Jugendalter ausgeprägt, wenn es sich bereits früh entwickelt hat. Ein solch stabiles Verhalten wirkt sich auf verschiedene Umweltberichte wie die Gleichaltrigenbeziehungen, Schule und die Familie, aber auch auf Nachbarscaftsbeziehungen aus. Die Problemverdichtung im Jugendalter ist durch therapeutische Interventionen oft schwer zu ändern. (ebd. S. 27)
Für diese Gruppe wird man sicherlich ein stärkeres Augenmerk auf alle gewaltorientierten Medien und verwandte Einflüsse haben müssen.
Genaue Ausführungen, auf welche Art und Weise hier sinnvolle Kontrolle und auch Verbote für bestimmte Spielformen ausgeübt werden können, finden sich im Buch von Thomas Hartmann.

4. Das erfolgreiche Anti-Aggressionskonzept : Coolnesstraining
Das sog. Coolnesstraining bietet Kindern und Jugendlichen insbesondere im sozialen Bereich Übungen zum Erlernen sozialer Empathie, Erhöhung der Stressbelastung und Umgang in Krisensituationen. Und um wieder beim Thema zu landen: Dort wird "geprügelt" ohne sich zu verletzen ;-). Eine Form des Umgangs - insbesondere unter männlichen Kindern und Jugendlichen - wie sie sich Thomas Hartmann als tolerierte "Aggressionsform des kindlichen Alltags" wünscht:

Beispiel für eine kämpferische Übung
Beispiel für eine spielerische Box-Übung

Thomas Hartmann erwähnt ähnliche "Spiele" und "Übungen", welche er in seiner Arbeit mit Jugendlichen mit Erfolg eingesetzt hat.


4. Sean und Rheto:
Geschwister - Mischlingsrüden und richtige Schmusehunde,
welche allerdings auch ab und zu miteinander toben und kämpfen. Jedoch: gerade weil die beiden besonders anhängliche und freundliche Hunde sind - echte Jungs einer "friedensorientierten", aber nicht "friedenspädagogischen" ,-) Hundeerziehung von klein auf - wird es den Leser erstaunen, dass die beiden sich immer wieder "prügeln", eben bis ein Hinweisreiz kommt, dass die Prügelei einen Schmerz verursacht.....sofort gehen die beiden auseinander [=> Beißhemmung]. Und doch sind es Brüder, welche sich mögen und sehr liebevoll miteinander umgehen..... Soviel zur "Verhaltensbiologie/Soziobiologie"

Schauen Sie zu, wie unsere beiden "Jungs" miteinander balgen und wieder friedlich auseinander gehen:
video

Soweit mir bekannt, entstehen solche Hundebalgereien aus dem angeborenen Spieltrieb der Welpen. Wachsen Hunde in einem Rudel auf, so greift die Hundemutter ein, sofern das Spiel zu aggressiv, d.h. verletzend und schmerzhaft wird. Unsere beiden sind "Waisenkinder" und wir haben sie schon mit knapp 7 Wochen bekommen. Gerade in ihrer Jugendzeit haben sie durch ihre Balgereien immer wieder festgelegt, wer dominieren darf. Die beiden haben schnell gelernt, dass ein kurzes Aufjaulen oder nur ein kleiner Japser, den Bruderkampf beendet.....

Übrigens: Als Beobachter hat man den Eindruck, dass eine solche Balgerei den Tieren richtig guttut. Sie haben sich körperlich ausgetobt und legen sich danach ruhig und gelassen in ihr Körbchen.

Und wie sieht es mit den Balgereien bei "Menschenkindern" aus? Thomas Hartmann stellt in seinem Kapitel zur Friedensbewegung dazu fest:
"Eine zentrale These dieses Buches lautet: Die Friedensbewegung der Siebziger- und Achtzigerjahre hat mit ihrer Forderung nach friedlicher Abrüstung und Gewaltverzicht nicht nur im pollitisch-militärischen Bereich, sondern in allen Bereichen, den persönlichen und privaten eingeschlossen, zu einer Tabuisierung beziehungsweise Verdrängung der spielerischen Gewalt beigetragen.[...]Die Rigorosität iher Forderung, auch auf spielerische, virtuelle Gewalt in sämtlichen Lebensbereichen zu verzichten,hängt mit dem Anspruch der Friedensbewegung und -pädagogik zusammen, alle Aspekte des persönlichen Daseins zu umfassen... "(S. 96/97, Hervorhebung von mir)
Diesem Statement kann ich nur beipflichten. Meine und auch die Kindheit des zwei Jahre jüngeren Thomas Hartmann war noch geprägt von einem Empfinden der "Normalität", was Raufereien und Balgereien von Kindern und Jugendlichen anging.

Als junge Lehrerin im Schuldienst in den 80ern und 90ern allerdings, war es bereits üblich auch spielerische Balgereien zu unterbinden. Kinder, welche raufen wollten, mussten dies heimlich tun. In dieser "friedensorientierten" Zeit waren Eltern schockiert, wenn im Religionsunterricht das "brutale" Ereignis der Kreuzigung Jesu behandelt wurde. Wie Herr Hartmann feststellt, wirkt diese Anschauung bis heute in erzieherische und weltanschauliche Prozesse hinein.

Zwar teilt die moderne" Friedenspädagogik (Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.) indirekt die im Buch von Thomas Hartmann "propagierte" Form der Enttabuisierung von spielerisch geprägten Prügeleien und Balgereien:

Auszug: Kapitel 2.1: Was ist Gewalt?

Kinder erkennen oft nicht die Schwelle, wo spielerisches Verhalten in gewalttätiges Verhalten umschlägt, anderen Schmerzen zugefügt oder sie diskriminiert werden. Diese Schwelle bei sich selbst zu kennen und bei anderen zu erkennen stellt einen wichtigen Lernbereich dar. (Kapitel 2.1.pdf Seite 14)

Allerdings:
Sofern die Frage auf den Umgang mit "Kriegsspielzeug, sog. Gewaltvideos, Video- und Computerspiele" kommt, wird eine strenge Linie verfolgt. Jeglicher Anklang von Gewalt, so wird gefordert, sei aus den Kinderzimmern und aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen zu verbannen: Augen auf beim Spielzeugkauf.pdf

Man schaue sich die "friedenspädagogisch" empfohlene, altersbezogene Spielzeugliste an. Keine Chance mit solchem Spielzeug auch nur den Umgang mit einem Hauch von Aggression zu erleben. Jeder, der noch ein wenig "Kind" in sich trägt, wird angesichts dieser Liste eine gewisse Langeweile verspüren.....

Wer die Materialien und Empfehlungen der Friedenspädagogik analysiert, wird vergeblich nach empirischen Belegen suchen. D.h. hier geht es um eine Einstellung und um Weltanschauung mit quasireligösem Charakter und folgendem "Glaubensbekenntnis":
"Als überzeugter Friedenspädagoge/Friedenspädagogin glaube ich, dass aller Umgang mit jeglicher Aggression schädlich ist"
FAZIT:
Die Natur hat Mensch und Tier mit der "Fähigkeit" zur "Aggression" ausgestattet. Wissenschaftlich gesehen existieren zahlreiche Theorien zur "Aggression" und dem daraus etwa resultierendem "abweichendem Verhalten". Dort wird die Frage der Entstehung und den Gründen seiner Entwicklung zu abweichendem Verhalten beleuchtet. Viele Studien wurden dazu gemacht und viele widersprüchliche Ergebnisse gesammelt. Wer sich damit beschäftigt besitzt viel Theoriewissen, steht allerdings in der Beurteilung der "Praxis" ohne wirklich hilfreiche Schlussfolgerungen und Handlungskonzepte da. Lars Fischer hat in seinem Fischblog dazu noch entsprechende Studien gesichtet und auf ihren Nutzen bzw. ihre Verwertbarkeit hin geprüft:

Zu Gewalt in Computerspielen - ein Fragment (notgedrungen)

Zunächst meine ich, bedarf es keiner Studien (mehr) um festzustellen, dass Aggressionen ein lebensbegleitendes Phänomen sind. Sie verleihen uns die Kraft "nein" zu sagen, unsere Wünsche zu äußern, uns - wenn notwendig - abzugrenzen. In der Paarbeziehung wird ein gesundes Maß an Aggression benötigt um zu einem ausgewogenen "Machtverhältnis" zu kommen, d.h. eine gleichberechtigte Partnerschaft.

Kinder benötigen ebenfalls ein gesundes Maß an Aggression um sich gegen Stärkere durchsetzen zu können und nicht zum Opfer zu werden. Dabei muß beachtet werden, dass gerade hier auch die vererbte Veranlagung eine Rolle spielt (=> Temperamentsforschung). Ein spielerischer Umgang mit Aggression und Gewalt erscheint als "Lerngrundlage" zu einem ausgewogenen Umgang mit der eigenen und der Aggression anderer notwendig zu sein.

Wie die kindliche Sozialisation stattfindet hängt dabei vom jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld ab. Insofern erscheint es völlig lebensfremd, wenn Erwachsene zum Wehrdienst verpflichtet werden können, an der Waffe ausgebildet werden, Filme und Videos mit Gewaltszenen oder schlicht die Nachrichten anschauen und diese existierende Lebenswelt dann in der Kindererziehung völlig tabuisiert. Auch die zahlreichen und äußerst beliebten Abenteuer- und Kriminalfilme stellen m.E. Aggression und Gewalt in oft nicht unerheblichem Umfange dar.

So ist schwer zu begreifen, dass auch "Friedenspädagogen" zwar Ersatzdienst leisten, aber durchaus dem Konsum von Filmen mit inhaltlichem Bezug zu irgendwelchen Formen der Gewalt nicht abgeneigt genüber stehen und gleichzeitig ihrem Nachwuchs die Adaption dieser "Kulturgüter" um jeden Preis verwehren wollen.

In traditionalen Kulturen werden Fertigkeiten spielerisch erworben. In unserer Kultur werden Fertigkeiten nur in der frühen Kindheit spielerisch erworben. Die derzeitigen Bemühungen um "Bildungspläne" bereits für Kindergartenkinder zeigen, dass hier sehr früh Fertigkeiten institutionell vermittelt und normiert werden (sollen).
So erfolgt die kindliche Sozialisation in traditionalen Kulturen durch eine Adaption der gesellschaftlichen Lebenswelt. Die "Lebenswelt" in traditionalen Kulturen allerdings, ist dabei eine völlig andere als bei uns. Hier würden friedenspädagogische Konzepte keinen Widerspruch zur kindlichen und erwachsenen Lebenswelt darstellen.

Unsere industrialisierte und hochtechnisierte Lebenswelt stellt die Gesellschaft vor immer neue Herausforderunge. Genau hier setzt m.E. die Aufgabe an, den Nachwuchs so zu sozialisieren, dass sie später als Erwachsene in der Lage sind, mit der faktischen Lebenswelt umzugehen. Dies bedeutet zum Einen dafür Sorge zu tragen, dass Kinder ein gesundes Selbstkonzept entwickeln, genügend Bewältigungsstrategien besitzen um Konflikte zu bewältigen (=Skripts), ihren Alkohol-, Medien- und Spielekonsum im Auge zu behalten und ggf. notwendige Grenzen zu setzen.

Sobald in der Pubertät Peer-Groups starken Einfluß ausüben, ist der elterliche Einfluß laut Studien allerdings gering. Hier besitzt das institutionelle Umfeld und die Familie nur noch eine gewisse Kontrolle mit beschränkter Wirkung. Das schadlose "Überstehen" dieser Altersphase hängt dann von den mitgebrachten Kompetenzen und der jeweiligen Einflussstärke einer Peer-Group ab:

Die Bedeutung der Peer Groups in der Adoleszenz:
Bullying in Early Adolescence: The Role of the Peer Group - Dorothy L. Espelage

Insofern ist es wichtig, in Elternhäusern und Schulen, bereits in den Altersphasen bis zur Pubertät auf die Entwicklung der notwendigen sozialen Kompetenzbereiche zum angemessenen Umgang mit Aggressionen zu achten:

5. Gewalt fängt im Kleinen an – Zur Stabilität von Mobbing an Grund- und weiterführender Schule

Ergebnis der Studie:
Die Ergebnisse der SAMS Längsschnittstudie zeigen eindeutig, dass eine Opferrolle in
der Grundschule kein Risiko darstellt, in der weiterführenden Schule wieder zum Opfer zu
werden.
Besorgniserregend stimmt aber diese Feststellung der Studie(liefert jedoch eine Erklärung für den hohen Einfluss für Peer-Gruppen im Jugendalter):
Hingegen repräsentiert eine Täterrolle in der Grundschule ein zweifach erhöhtes
Risiko, in der weiterführenden Schule die Mitschüler wiederum als Täter zu schikanieren.

Literatur:

Lamnek, Siegfried (8. überarb. Aufl. 2007): Theorien abweichenden Verhaltens.UTB Stuttgart, ISBN-10: 3825207404
Lamnek, Siegfried (1997, 2.Aufl.): Neue Theorien abweichenden Verhaltens, UTB StuttgartISBN-10: 3825217744

Marcel R. Zentner ( 2002),Die Wiederentdeckung des Temperaments. Eine Einführung in die Kinder- Temperamentsforschung. , Fischer (Tb.), Frankfurt ISBN-10: 3596132924

Schlussbemerkung:
Auslöser dieses Beitrages war ursprünglich ein Artikel in der "Zeit" von Dorion Weickmann:
Killerspiele? Verhaltensauffälligkeiten? Zwei sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie Erziehung gelingen kann.
und die Replik des Autors auf Ihre oberflächliche, mit fehlerhaftem Zitat versehene Rezension. Damit war ich auf das Thema bzw. das Buch von Thomas Hartmann neugierig geworden. Ich habe es ganz durchgelesen und mich anschließend gefragt, ob Frau Weickmann wohl nur im Buch herumgeblättert hat und sich für Ihre Rezension die Mühe des Lesens erspart hat.

Aber schauen Sie selbst: Die Mehrheit der Kommentare stehen gleichfalls in krassem Widerspruch zu dem, was Frau Weickmann über den Autor und sein Buch zu Papier gebracht hat:Homepage und Interviews mit Thomas Hartmann zum Thema:
Wie sehr dieses Buch "Wellen" geschlagen hat, können Sie an den vielen Interviews und Buchbesprechungen ablesen, welche ausführlich auf der Webseite von Thomas Hartmann aufgelistet werden. Interessant sind hier auch die in manchen Medien entstandenen kontroversen Diskussionen um Gewalt, Computerspiele, Jugendliche etc.:
Weiterführende Links:
Computerspiele im Fischblog:

Nachtrag: Weitere Informationen zum Thema Aggression und Gewalt im Blog von Marcus Wichmann:
Nachtrag II: Artikel im Tagesspiegel vom 16.05.2008 von Hartmut Wewetzer
Nachtrag III v. 22.06.2008: Guter Beitrag zum Thema "Gewalt an Schulen":
AKTUELL !
Nachtrag IV vom 04.09.2008: Benedikt Köhler berichtet in seinem Blog "Viralmythen":
"Ein Beitrag für all jene, welche Computerspiele mit dem Untergang des Abendlandes gleichsetzen."

Samstag, 1. März 2008

Leben bis zum Schluss

Täglich werden Erzieher und Lehrer mit einzelnen Schicksalen konfrontiert. Der "Tod" und "Krankheit" stehen auf dem Lehrplan....und nur wenige kümmern sich darum....

Wieviel Begleitung brauchen Betroffene und Angehörige, wenn eine todbringende Krankheit ein Familienmitglied erfasst ? Welche Stützfunktionen bietet unsere Gesellschaft und wie sieht das veränderte Leben in einer solchen Situation aus?
Das Wissen über die Bedeutung der Psyche für die Krankheitsbewältigung:
Die Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie (Erläuterung von Dr. med. Klaus Mohr) und die Medizinische Psychologie betonen die Bedeutung der psychischen Verfassung für eine angemessene Krankheitsbewältigung. Ihre Forschungen belegen, dass das seelische Wohlbefinden einen großen Einfluß auf die Krankheitsschwere hat. Sie liefert Einsichten in die Möglichkeiten (und Grenzen) zum Wirken der Selbstheilungskräfte.
In der Arztausbildung ist die Arzt-Patient-Kommunikation zwischenzeitlich fester Bestandteil:
Die "heilende"Wirkung eines guten Gesprächs - Therapie von warmherzigen Ärzten wirkt besser - "Heilung hat immer auch etwas mit psychischen Aspekten zu tun"

Jedoch sieht die Realität - dank unseres betriebswirtschaftlich orientierten Gesundheitswesens - völlig anders aus: Die Tagespost.
"Wir brauchen andere, ganzheitliche Strukturen. Medizin und Pflege müssen wahrnehmen, dass Schwerstkranke und Sterbende auch Teil des Gesundheitssystems sind."

Keine Zeit für Patienten (z.B.hier), Ärzte- und Pflegepersonalmangel in Kliniken (z.B. hier und hier) führen zu stark belastenden Faktoren für chronisch Kranke, Schwerkranke und ihre Angehörigen.

Indirekt sind Erzieher und Lehrer (*m+w) immer wieder mit dem Schicksal ihres Klientels als Betroffene oder Angehörige konfrontiert. Manche plötzlich auftretenden "Verhaltens- oder Schulleistungsstörungen" resultieren aus der unerwarteten Konfrontation mit dem Krankheitsschicksal.

In der Erzieher- und Lehrerausbildung* sind solche Aspekte des Berufsalltags in der Regel nicht Bestandteil eines Ausbildungsangebotes. Auch hier zeigen sich die Defizite einer technokratisch ausgerichteten pädagogischen Anschauung, mit ein Grund warum sich diese Berufsgruppe im Berufsalltag so entschlossen von der "abgehobenen" Theorie abwendet. Nun, jammern hilft hier nicht und gerade für solche Aspekte sind möglicherweise "echte" Lebensberichte die besseren "Lehrmeister":

Petra Thorbrietz schildert in ihrem Buch "Leben bis zum Schluss" einfühlsam und informativ, wie sie ihren krebskranken Ehemann begleitete:


Abschiednehmen und würdevolles Sterben - eine persönliche Streitschrift
Zabert Sandmann Verlag, Hardcover mit SU, 176 Seiten, 16,95 € [D] · 17,50 € [A] · 29,95 sFr, ISBN: 978-3-89883-186-4
Ein Plädoyer gegen das Wegsehen und für einen anderen Umgang mit dem Tod +++ Zwischen Zuwendung und Leid: ein Erlebnisbericht +++ Wie menschlich ist unsere Medizin?

Nähere Informationen zum Buch: hier

Samstag, 23. Februar 2008

Deutschland sucht den Superstar - Hintergründe und Erklärungen

03.02.08 · 18:10 Uhr

oder aus erziehungswissenschaftlicher Sicht: Öffentliche Demütigung wird gesellschaftsfähig "gemacht" ....RTL: Die Jugendlichen sind selbst schuld. Die Ergebnisse des selbstdarstellerischen Dranges der Kandidaten hat DSDS nicht zu verantworten.Wer die Quoten hat, bestimmt wo's lang geht......


Das "DSDS-Fieber" hat die deutsche Jugend wieder erfasst: öffentliche Herabsetzung und Verspottung - nicht nur bezüglich der musikalischen Eigenschaften - ziehen die deutschen Jugendlichen wieder vor den Bildschirm. "Du singst scheiße" ist ein gängiger Spruch von Dieter Bohlen. Eigens fabrizierte Portraitfilme wecken bei einigen Kandidaten große Hoffnungen und lässt sie nach ihrer Ablehnung im Casting sehr tief fallen.....Dennoch sitzt die Jugend vor den Bildschirmen, verfolgt die Demütigungen und Herabsetzungen, weil sie sich die eigene Identifikation mit dem "harten" Weg vom unscheinbaren Aschenputtel zum großen Star, nicht entgehen lassen will.

Ungeachtet der jedes Jahr erneut aufflammenden Diskussionen von Jugendschützern u.a, setzt der Sender auf öffentliche, zusätzlich medial inszenierte Demütigungen mehr oder weniger ungeeigneter Bewerber. Die Quoten, d.h. die indirekt damit verbundenen höheren Werbeeinnahmen, eben das Gewinnstreben des Senders, lassen jegliche menschliche Anständigkeit vergessen. Das Grundrecht des Menschen auf die Unantastbarkeit der Würde wird mit Füßen getreten. Minderjährige werden gleichzeitig zum Opfer elterlichen Ehrgeizes und dem unmoralischen Gewinnstreben des Privatsenders. Die dort "beschäftigten" Moderatoren und Macher hinterlassen eine Spur der moralischen und psychischen Zerstörung zahlreicher Bewerber, welche nicht die Chance hatten, zu erfahren bzw. zu lernen, was notwendig ist, um tatsächlich ein Star werden zu können. Jugendliche - beeinflusst durch die vermeintlich gesellschaftlich tolerierte Demütigung - behelligen die gedemütigten Opfer nach ihrem unseligen Auftritt und treiben die Betroffenen in psychische Notlagen...

Wo steht unsere Gesellschaft, welche moralischen Prinzipien beherrschen unser Leben, wenn der Einzelne derart "wertlos" ist, dass man ihn so bloß stellen und "treten" darf und niemand tatsächlich einschreitet? Politik und Erziehungsinstitutionen sehen weitgehend tatenlos zu, wie einer nachwachsenden Generation "neue" (un-)moralische Maßstäbe aufgedrückt werden.

Die Hintergründe:
Warum lassen sich Jugendliche und ihre Eltern auf solche Medieninszenierungen überhaupt ein?

1.Das sogenannte Aschenputtel-Prinzip:
Als das "Aschenputtel-Prinzip" wird das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung, Aufmerksamkeit, Geld und Ruhm bezeichnet. Jugendliche und auch noch junge Erwachsene befinden sich in einer relativ instabilen Entwicklungsphase auf der Suche nach einer "passenden Identität". Angesichts mangelnder Ausbildungsplätze und hohen Ausbildungskosten scheint ein mögliches "Stardasein" alle Probleme auf einmal zu lösen.

2. Die medial inszenierte "Zukunftshoffnung"
Nicht zuletzt Erfolgsgeschichten, wie die eines Mark Medlock, welcher wie Phönix aus der Asche, mit Hilfe von DSDS vom verschuldeten Arbeitslosen zum großen, allseits beliebten singenden Medienstar wurde, schürt Hoffnungen bei Jugendlichen. In oft grenzenloser Selbstüberschätzung, unterstützt durch Behauptungen in Medien und Songs werden junge Erwachsene ermutigt, für sie unerreichbare Zielsetzungen zu verfolgen.

So singt der sich selbst - oft auf Kosten Dritter - inszenierende Medienstar Dieter Bohlen z.B. in "TV makes the superstar" (Modern Talking):

.. , aber du kannst es in deinem Herzen fühlen, dass du nichts falsch machen kannst. Du bist vielleicht jeden Tag unglaublich nervös, aber dann hörst du eine Stimme vom Himmel, die sagt, du wirst deinen Weg schon finden. TV makes it, TV even breaks it ...
Dann sei nicht traurig, denn im Leben gibt es immer noch eine zweite Chance, deshalb bleib einfach dran. Lass Dir etwas Zeit und du wirst schon sehen, du kannst ein Gewinner sein, so wie ich, denn TV makes the superstar. Gesamter Text in englischer Sprache: hier

Solche Sätze lassen dann junge Menschen glauben, dass alles machbar sei, wenn man sich nur genug anstrenge. (Viele Bewerber der Castingshows weisen darauf hin, wie intensiv sie sich vorbereitet haben!)

Was steckt dahinter? Warum bewerben sich zahlreiche Jugendliche, obwohl sie eigentlich wissen müssten, dass sie weder singen können und auch nicht zum "Format" Deutschland sucht den Superstar passen? Einige Hypothesen:


1. Auswirkungen "kuschelpädagogischer" Erziehung und Beschulung
Die sog. "Kuschelpädagogik" in den Elternhäusern, aber auch in Tagesstätten, Kindergärten und später in den Schulen (Bsp.: "Das machst du aber toll", auch wenn viele Mängel der gezeigten Leistung anhaften) und fehlendes Feedback für unzureichende Leistungen, führen langfristig zur Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten. Dass Kinder für eine gesunde Entwicklung auch einer konstruktiven! Kritik bedürfen wird außer Acht gelassen. Insbesondere solche "kuschelpädagogisch geschädigten" Jugendlichen und junge Erwachsene sind dann auch bei den Bewerbern in DSDS zu finden.

2. Auswirkungen mangelnder musikalisch-künstlerischer Förderung in der Vorschul- und Schulerziehung
Bereits die junge ErzieherInnen und LehrerInnengeneration hat (zu) wenig musikalische und künstlerische Förderung in der (vor-)schulischen Ausbildung genossen. Um jedoch musikalische und künstlerische Leistungen angemessen beurteilen zu können, müssen auch Vorstellungen darüber erworben worden sein, was musikalisch und künstlerisch als "gut" zu betrachten ist.

3. Falsche Selbsteinschätzung der Jugendlichen trifft auf einen rigorosen Wettbewerbsmarkt um Zuschauerquoten
Zunehmende Vernachlässigung der musikalischen Bildung - bereits in der Elterngeneration führt bei den Eltern zu einer Fehleinschätzung der Fähigkeiten ihrer Kinder. Eigene "verpasste" Starträume der Eltern werden auf die Kinder übertragen. So werden diese Jugendlichen gleich mehrfach zum Opfer gemacht:
1. durch den Ehrgeiz der Eltern und elterliche Fehleinschätzung der musikalischen Fähigkeiten ihrer Kinder.
2. durch den Run auf Quoten der Privatsender

4. Fehlende "musikalische" Wahrnehmungsschulung und verzerrte "gesangliche" Eigenwahrnehmung
Die große Anzahl an Bewerbern, welche sich vorstellen ohne tatsächlich singen zu können, deutet darauf hin, dass die Fähigkeit zur realen "Eigenwahrnehmung" - zumindest für diesen Fähigkeitsbereich nicht geschult worden ist. Hier fehlen ganz offensichtlich Hörfähigkeiten, deren Schulung normalerweise Bestandteil eines guten Musikunterrichtes gewesen wären. So trifft ein Teil der Verantwortung für das "DSDS-Selbstüberschätzungssyndrom" die mangelnde musikalische Ausbildung in der Schule.

FAZIT:

Die medial inszenierte Demütigung deutet auf eine gesellschaftliche Verrohung hin, wobei die „Gedemütigten“ Opfer ihrer gestörten (vor allem gesanglichen) Selbstwahrnehmung sind. Bildungspolitiker müssen sich fragen, inwiefern einerseits Fehlleistungen der erzieherischen Institutionen für diese Entwicklung mitverantwortlich sind und andererseits Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung und –fähigkeit angesichts solcher gesellschaftlichen Herausforderungen gestützt werden müssen. Insbesondere werden Entwicklungsstörungen im Jugend- und frühen Erwachsenenalter sowohl in der Forschung, als auch in der institutionellen Erziehung stark vernachlässigt. Nur ihre Auswirkungen (Delinquenz u.ä.) geraten kurzzeitig in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, ohne dass über echte Hilfen und Gegenmaßnahmen ernsthaft nachgedacht wird. In diesem Zusammenhang ist besonders beunruhigend, dass Medien – ohne staatliche, strafrechtliche oder andere Konsequenzen – junge Menschen herabsetzen, demütigen und beleidigen dürfen. (§ 185 StGB, Beleidigung, Art. 1 GG, Die Würde des Menschen ist unantastbar)

Zum Weiterlesen:

"Deutschland sucht den Superstar" Kritik in den Medien: Im Fokus: hier und in der TAZ: hier
Ich-Entwicklung in der Adoleszenz: hier, Züricher Entwicklungsstudie zum Jugendalter: hier, Vortrag zu Entwicklungskrisen im Jugendalter: hier

Montag, 21. Januar 2008

Wolfgang Clement: "Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe"

Angesichts der aktuellen Nachrichten stellt sich die Frage inwieweit eine sinnvolle Politik gemacht werden kann, wenn Politiker selbst so stark abhängig sind und einseitige Interessen vertreten, weil ganz persönliches Nutznießertum eine große Rolle spielt.

Die Politikerkarriere eröffnet manchem später eine vor allem finanziell äußerst lukrative "Karriere" in der Industrie. So eben auch bei Wolfgang Clement. Er ist Jurist, im Lebenslauf wird die 1. Staatsprüfung und ein Rechtsreferendariat erwähnt. Ob er Volljurist, d.h. auch sein zweites Staatsexamen gemacht hat bleibt im Lebenslauf offen.(http://www.hwk-duesseldorf.de/veranstaltungen/meisterfeier/vitaclement.html)

Vom Juristen zum Chefredakteuer. Vom Chefredakteur in die Politik. Von der Politik in die Energiewirtschaft (RWE)
Wenn man diesen Werdegang betrachtet, so fragt man sich, ob ein normaler Jurist - ohne weitere juristische Berufserfahrung - eine derart lukrative Aufgabe in einem großen Energieversorgungsunternehmen bekommen hätte?

Nein, hätte er nicht!

Was zeichnet dann einen ehemaligen Politiker für eine solche Position aus? Wohl seine politischen Beziehungen!

Auch Axel Horstman und viele andere Politiker haben ihr politisches Engagement für persönliche, finanzielle Interessen aufgegeben......
FAZIT:
Um Politiker für ein bestimmtes Ressort zu werden, muss man keine besonderen Kompetenzen dafür mitbringen. Einem Politiker wird schlicht unterstellt, dass er es "kann", weil er diese (Minister-)Position übertragen bekommen hat. Auch für die spätere Karriere benötigt ein ehemaliger Politiker keine hierfür notwendigen Kenntnisse oder gar eine Berufsausbildung. Man bekommt den Job, weil Politiker "Beziehungen" und "Einfluß" haben.

So stellt sich die Frage, inwieweit Politiker überhaupt in der Lage sind, ein Land im Interesse seiner Gesellschaft, d.h. seiner Einwohner sinnvoll zu regieren. Denn dies sollte doch - unabhängig von einer parteipolitischen Position - das oberste Ziel sein. Dazu gehört weniger Egoismus und mehr Altruismus.

Warum sind unsere Energiekosten so hoch? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.......

Montag, 7. Januar 2008

"Nicht in Gefängnisse, sondern in bessere Schulen investieren"

sagt der Autor der von der "Bild-Zeitung" zitierten KFN-Studie, Prof. Christian Pfeiffer (früherer Justizminister in Niedersachsen). Weiter unten habe ich hierzu Links gesammelt - alles Interviews mit Herrn Pfeiffer zum Thema.

FAZIT von Herrn Pfeiffer:
  • 1. Das Beispiel Hannover zeigt deutlich, dass ausländische Jugendliche deutlich weniger straffällig werden, sofern sie die Möglichkeit besserer Bildungschancen haben.
  • 2. Alle Studien belegen, dass härtere Stafen keinerlei Wirkung erzielen. Angeblich werden 80% der Jugendlichen nach Gefängnisstrafen wieder rückfällig. In der Schweiz werden straffällig gewordene Jugendliche in entsprechenden Einrichtungen "therapiert" ==> Rückfallquote 45% !
  • 3. Anstatt Gelder in die Finanzierung für freihheitsentziehende Maßnahmen zu stecken, sollte das Geld lieber in die Kriminalitätsprävention (d.h. bessere Schulbildung und Betreuung) investiert werden.

Und hier noch ein interessanter und lesenswerter Artikel : Interview mit Herrn Walter(Jurist): Leiter des Jugendgefängnisses Adelsheim (bei Heilbronn):
http://www.suedkurier.de/nachrichten/seite3/art1798,2990511,0

Einige Online-Nachrichtenmagazine im Interview mit Herrn Pfeiffer:
http://www.lr-online.de/nachrichten/LR-News-Justiz-Jugend-Kriminalitaet;art18235,1894015
www.lr-online.de/_/tools/pdfpage.html?arid=1894015
pnp.de: hier

Noch mehr zum Thema Jugendkriminalität:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/1600888
http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/politik/deutschland/516393
http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Tpl~Ecommon~SThemenseite.html
http://www.stern.de/politik/panorama/:M%FCnchner-U-Bahn-%DCberfall-Hass-Leben/606561.html
http://www.welt.de/politik/article1506278/Zypries_gegen_Erziehungscamps_fuer_Jugendliche.html
Dort finden Sie zahlreiche weiterführende Links


Donnerstag, 3. Januar 2008

Bild: Studie beweist: Junge Ausländer doppelt so gewalttätig wie junge Deutsche

Zitat aus Bild.de: "Hannover – Wie gewalttätig sind ausländische Jugendliche wirklich? Die offiziellen Statistiken von Polizei und Justiz sagen wenig darüber, wie häufig türkische oder russische Jugendliche zuschlagen, rauben und erpressen. Weiter: hier

Wieder ein schönes Beispiel, wie Meinungen gemacht werden.

Zunächst findet sich in der Studie von Prof. Pfeiffer: "
BAIER, D. & PFEIFFER, C.
Gewalttätigkeit bei deutschen und nichtdeutschen Jugendlichen - Befunde der Schülerbefragung 2005 und Folgerungen für die Prävention(KFN-Forschungsbericht; Nr.: 100)"
folgende Feststellung:
"Dass sich Jugendliche mit Aussiedlerhintergrund tatsächlich gewalttätiger als Deutsche verhalten, wird allerdings nicht von allen Studien gleichermaßen berichtet."

Interessant ist, dass die von "Bild" herangezogene Studie (= Befragung Jugendlicher, aber keine echte Messung der Kriminalität Jugendlicher!!!) die Altersgruppe betrifft, in welcher sowieso über Generationen hinweg immer die höchste Kriminalitätsrate (insbesondere bei männlichen Jugendlichen)anzutreffen ist!!
Ausführlich und in differenzierterer Lesart: hier

Bericht der KFN zur Kriminalitätswahrnehmung: hier
In diesen Bereich fällt auch die von Bild erwähnte "Studie" !!!

Dort geht es ja nicht darum, die tatsächliche Kriminalität zu erfassen, sondern die wahrgenommene Kriminalität von Jugendlichen. Aus eigenen Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen ist mir bekannt, dass diese gerne "polarisieren". Treten Konflikte in Peer-Groups zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Nationalitäten auf, so werden "Schuldzuweisungen" und "böse Absichten" gerne wechselseitig verteilt. Dass ausländische Jugendliche, insbesondere an Schulen und Orten, wo Integrationsbemühungen weitgehend gescheitert sind, eine höhere Neigung zu Gewalt und Konflikten haben, soll nicht bestritten werden. Allerdings wird aus der berichteten Vielfalt und den stark variierenden Ergebnissen der geschilderten Befragungen deutlich, dass sehr große (örtliche!!) Unterschiede bestehen.

Die von Bild-Online und in der Bild-Zeitung genannten Zahlen und Werte konnte ich allerdings in den Originalstudien nicht finden !!


Zur "tatsächlichen", d.h. echten Kriminalitätsrate Jugendlicher liefert die KFN folgenden Bericht: hier
Zitat:
"Allerdings entscheiden die Medien weitgehend selbst, was für sie berichtenswert ist und was nicht. Die öffentlich-rechtlichen und in besonderem Maße die privaten Fernsehanstalten sind darauf angewiesen, dass ihr Angebot beim Publikum Nachfrage findet. Daher treffen sie ihre Auswahl an Themen und Darstellungsformen oftmals in einer Weise, die den vermuteten Erwartungen des Publikums am besten entspricht (Windzio Kleimann 2006)...[...]..Auf der Grundlage der polizeilichen Kriminalstatistik lässt sich ..[..]- für die3 beiden Zeitperioden 1993 bis 2003 sowie 1995 bis 2005 recht übereinstimmend ein Rückgang der Kriminalität in wesentlichen Bereichen feststellen, wobei über die meisten Delikte hinweg der Rückgang von 1995 bis 2005 sogar noch etwas stärker ausfällt als zwischen 1993 und 2003.


Und was sagt Bild zum Rückgang der Kriminalität und zu den völlig anders liegenden Kriminalitätsraten ausländischer Jugendlicher in den echten Kriminalitätsstatistiken?
FAZIT:
Anhand "verdrehter" statistischer Zahlen und Forschungsberichte werden Meinungen "manipuliert". Das "Symptom" soll mittels "Verschärfung der Strafmaßnahmen" gegen Jugendliche "behandelt" werden. Ein Zufall, dass einzelne Politiker dieses Thema in den Mittelpunkt ihrer Reden gestellt haben? Die Ursachen der Probleme bleiben unberücksichtigt............

Nachtrag:
Artikel in der "Süddeutschen"
Erziehung jugendlicher Straftäter "Wir holen nach, was sonst im Vorschulalter vermittelt wird"
Lothar Kannenberg, Gründer der erfolgreichen Jugendhilfeeinrichtung "Boxcamp", über die Debatte zur Verschärfung des Jugendstrafrechts und den richtigen Umgang mit jugendlichen Intensivtätern.
Interview: Gökalp Babayigit

Ausführlich: hier



Mittwoch, 2. Januar 2008

Bild-Kinder-Report: "Lesen schützt vor Alkohol und Drogen"

Wie schafft man mit "objektiven" Daten eine "subjektive" Wirklichkeit ?
Der "Bild-Kinderreport" hat 1002 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren befragt: hier
Wer diesen Bericht liest lehnt sich beruhigt zurück und denkt "ich dachte gar nicht, wie vielen Kindern in Deutschland es sooo gut geht.......".

Wirklich? Sind Sie sicher?

Damit Sie mir inhaltlich folgen können, bitte ich Sie den kurzen Artikel vorher zu lesen. (Bitte haben Sie Verständnis, dass ich aus urheberrechtlichen Gründen an dieser Stelle nur auf den Originalartikel verweisen kann)

Und nun "mein" Bericht zu den Forschungsergebnissen:

  1. Nahezu ein Drittel der Kinder gehen nicht gerne zur Schule. 14 Prozent sorgen sich häufiger um ihre Noten und Zeugnisse
  2. Für deutlich über ein Drittel ist die Mutter nicht die wichtigste Bezugsperson und über die Hälfte der Kinder vermissen die Beziehung zum Vater
  3. 81 Prozent ziehen die Freunde in ihrer Freizeit der Familie vor. Fast ein Drittel der Kinder spielt nicht gerne draußen.
Und was erleben Sie nun? Dasselbe wie vorhin?

Dabei habe ich die Forschungsergebnisse überhaupt nicht verändert - nur anders berichtet..........

Nachtrag:
Zum Thema im Blog von Dr. Blume:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4577311/
....[...]
Unter hohem Zeitdruck überflogen Journalisten den Text, pickten die eingängstigsten Zahlen heraus (z.B. "40% fundamentale Muslime!") und verpackten das Ganze in möglichst peppige Überschriften.....[..]

Nachtrag 2:
Ein Beispiel zur "Desinformation" durch Informationsverweigerung von Marc Scheloske: hier