Dienstag, 21. Oktober 2008

Alle Jahre wieder

Bildquelle Pixelio: (c) Gerd Altmann
das große Grausen und jedes Mal ein bißchen mehr überfordert...... Ich komme mit der Steuererklärung immer mehr an die Grenzen meiner geistigen Fähigkeiten. Kann man eine Steuererklärung fertig stellen, ohne selbst wenigstens ein halbes Jahr lang, jedes Jahr aufs Neue die zwischenzeitlich in die Formulare "eingebauten" Steuerneuregelungen vorher eingehend studieret zu haben? Wobei ich mich frage ob das "Studieren" der Steuergesetze überhaupt noch ausreicht, um die zunehmend komplizierter gewordenen Formulare verstehen und ausfüllen zu können.

Vor 10 Jahren schon hieß es, die Steuergesetze und Steuererklärungen seien viel zu kompliziert. Damals habe ich mich - auch im Rahmen meines BWL-Grundstudiums - intensiv in das Steuerrecht, Buchhaltung etc. eingearbeitet.
Seither ist viel passiert. Insbesondere gibt es immer mehr Neuregelungen, jedes Jahr wieder Änderungen, neue Formulare etc. Auch die Formulare sind zwischenzeitlich immer komplizierter und unübersichtlicher.

Ich stosse, angesichts der zunehmenden höheren Ansprüche an unsere Steuererklärung an die Grenzen meiner "kognitiven" Fähigkeiten. Aus einer kleinen "psychotherapeutischen Praxis" wird - betrachtet man die aktuellen Formulare - plötzlich ein großer Betrieb. Wohin "passen" denn nun die spezifischen Ausgaben eines Ein-Mann-Betriebes mit psychologisch technischer Assistentin? Es bleiben viele Felder frei und ein ungutes Gefühl bleibt zurück......

Welcher Trost wenn ich dann hier lese, dass auch ausgebildete Fachleute, angesichts der geistigen, kognitiven und intellektuellen Anforderungen an die Erstellung einer Steuererklärung die Flügel streichen:

Eine Finanzbeamtin aus Niedersachsen zeigte sich überfordert, die EÜR für den freischaffenden Gatten auszufüllen. "Zuerst vergaß ich, den Vordruck einzureichen, und fügte die übliche Gewinnberechnung bei", erzählt sie. Das Finanzamt habe den Gewinn dann abgeändert und sie gebeten, das EÜR-Formular nachzureichen. (Quelle: Per Internet zum Fiskus?)
Jetzt wird mir auch klar, warum das Finanzamt bereits seit einem Jahr an unseren Widersprüchen arbeitet. Obwohl diese Leute die Materie ja von der Pike auf studiert und kennen gelernt haben, stossen auch sie an ihre Grenzen. Welcher "Steuerbürger" blickt hier überhaupt noch durch, wenn sogar ein Jurist und Pressesprecher des Bundesrechnungshofes freimütig einräumt:
Fast jeder Berufstätige in Deutschland ist mittlerweile mit dem bürokratischen Irrsinn überfordert. Schließlich sind allein schon die Begriffe auf den Formularen für Unkundige völlig unverständlich: "Pauschbeträge", "Feststellungsbeteiligung", "Vorsorgepauschale" – die ganze Terminologie sorgt für Verschleierung statt für Aufklärung. Deshalb blicken sogar Fachleute mittlerweile nicht mehr komplett durch. Andreas Krull, Jurist und Pressesprecher des Bundesrechnungshofs, gibt unumwunden zu, dass er einen "ziemlichen Horror" vor der eigenen Steuererklärung hat, "weil ich selbst nicht so genau weiß, was ich da eigentlich treibe".Quelle: Archiv: Irrsinn Steuererklärung Wie jedes Jahr Milliarden Euro verschenkt werden

Ich fange an (man möge es mir verzeihen) zu beten: "Herr, lass Hirn regnen". Wirre Gedanken zirkulieren in meinem für diese Zwecke unzureichend ausgestatteten Großhirn:

Steuer wozu?, Steuererklärung warum?, Bankenkrise, Liechtenstein, Einkommensmillionäre,Preissteigerungen, Konsumrückgang, Wirtschaftsflaute, Steuerverschwendung, Bürokratie, Behördenüberlastung, Finanzgerichte, Steuergerechtigkeit, Verspätungszuschlag, Steuerfahndung, Steuerstrafverfahren, Steuerbetrüger, Schwarzarbeit, heimliche Besteuerung, Doppelbesteuerung, indirekte und direkte Steuern, Freibetrag für Abgeordnete, Rentenbezüge Abgeordnete.......

Ich bekomme diese wirren Neuronenfeuer nicht in den Griff, es fehlen logische Verbindungen, gefangen in diesem Irrsinn, gebe ich die Gedanken auf.....


Das ist wohl auch der Grund, warum viele Bürger auf eine Steuererklärung verzichten (sofern sie das dürfen) und die Steuerberaterbranche floriert......sage ich im Selbstgespräch zu mir und habe dabei vermutlich den ersten klaren Gedanken zu dieser ganzen Sache....

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt........

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Von der Gleichheit und Ungleichheit

Bildquelle: Pixelio (c) Gerd Altmann
"Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich"

So lautet der Artikel 3, Satz 1 unseres Grundgesetzes.
Und wie es nun so ist, gibt es Menschen, welche trotzdem nicht gleich sind. Abgeordnete zum Beispiel. Sie haben einen besonderen Status, wie heute der Bundesfinanzhof bestätigt hat und darum brauchen Sie nicht, wie der Rest der Bevölkerung jeden einzelnen Euro versteuern. Denn Sie bekommen eine Pauschale. Jeden Monat über 3.000 Euro, das ist doch prima.

Abgeordnete haben - im Gegensatz zu Selbständigen und angestellten Arbeitnehmern keine Zeit und können sich den Aufwand, jeden einzelnen beruflich ausgegebenen Euro dem Finanzamt zu erklären, sparen.(Siehe: Mangels Entscheidungserheblichkeit keine Übertragung der steuerfreien Abgeordnetenpauschale auf andere Personen (BFH vom 02.10.2008 AZ. VI R 63/04 VI R 81/04 VI R 13/06 )

So werden heute viele Abgeordnete sich freuen, dass die Judikative doch einhellig neben der Exekutive und Legislative steht und sich dieses nach dem 2. Weltkrieg geschaffene Dreiergespann nicht von querulanten Steuerzahlern stören lässt......

Noch Fragen? Sie wollen den Unterschied zwischen der "Gleichheit" von Abgeordneten und Nicht-Abgeordneten wissen?

Oh nein, das kann ich Ihnen nicht beantworten.

Als staatstreue Deutsche muss ich feststellen: Abgeordnete sind vor dem Gesetz gleich, der BFH hat das gesagt, dann muss es auch so sein. Darüber sollte man einfach nicht nachdenken.......Ob wohl Herr Wolf Singer Recht hat?

Zwischenzeitlich denke ich auch, dass wir keinen freien Willen haben und manche die glauben einen zu haben, die behaupten noch ganz frech, dass sie keinen freien Willen haben dürfen........So was.......